EINE AUKTION LÄDT KUNST MIT EMOTION AUF

MARKUS EISENBEIS

Mit 25 Jahren übernahmen Sie die Geschäftsführung für das Auktionshaus von Ihrer Mutter. Wie klappte der Generationswechsel?

Eisenbeis: Der Wechsel klappte erstaunlich gut. Meine Mutter wollte sich aufgrund ihres Alters möglichst schnell aus dem Unternehmen zurückziehen, zudem gab es die räumliche Entfernung, da meine Mutter damals bereits seit 20 Jahren in Kassel wohnte und nach Köln pendelte. Wir arbeiteten noch ein Jahr zusammen, dann überließ sie mir das Feld. Das lief nach dem Grundsatz: Du sollst Fehler selbst machen – aber je eher, desto billiger für das Unternehmen. Vielleicht klappte der Wechsel aber auch so gut, weil Frauen besser bei einem Unternehmen loslassen können als Männer.

Was haben Sie verändert?

Eisenbeis: Wichtig war mir vor allem die Verbesserung der Außenwirkung. Daher habe ich mich zunächst um ein modernes Corporate Design gekümmert. Ferner ging es mir darum, international noch bekannter zu werden, das heißt Kontakte im Ausland zu knüpfen, internationale Händler und Messen zu besuchen. Heute macht der Umsatz mit dem Ausland fast die Hälfte unseres Gesamtumsatzes aus. Hinzu kam die Erweiterung des inhaltlichen Spektrums durch den Aufbau der Abteilungen Moderne und Zeitgenössische Kunst, Fotografie sowie Schmuck. Dadurch haben wir neue Kundenschichten gewinnen können.

Während der Kunstmarkt im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise stark gelitten hat, hatten Sie kaum Einbrüche zu verzeichnen. Was sind die Gründe

Eisenbeis: Im Bereich der zeitgenössischen Kunst hatten wir Ende 2008 und im ersten Halbjahr 2009 durchaus Rückgänge zu verzeichnen. Seit dem zweiten Halbjahr 2009 hat das Geschäft aber wieder stark angezogen. Galerien waren als Primärmarkt für Kunst von der Krise sehr viel stärker betroffen als wir, da wir als Auktionshaus zum Sekundärmarkt gehören. Unsere breite inhaltliche Aufstellung ist uns sicherlich zugutegekommen. Die Alten Meister sind seit jeher eine feste Konstante bei uns. Entscheidend ist jedoch das Kundenvertrauen, das man nur durch Kompetenz und seriöse Arbeit erlangt.

Was macht eine Auktion für einen Kunstkäufer so spannend?

Eisenbeis: Die Kaufentscheidung selbst wird bereits im Vorfeld getroffen, auf Basis des Katalogs oder der Vorbesichtigung. Anders als in der Galerie kann ich die Kunst allerdings nicht direkt erwerben und mitnehmen. Daher hat jede Auktion ihre eigene Dramatik: wer hebt zuerst die Hand, wie weit gehe ich mit. Wenn Paare im Auktionssaal sind, kann es auch mal zu kritischen zwischenmenschlichen Situationen kommen, wo das finanzielle Limit ist. Jedes ersteigerte Kunstwerk erzählt daher eine sehr emotionale Geschichte, an die man immer wieder erinnert wird. Dieses emotionale Erlebnis ist letztlich genauso viel Wert wie das Werk an sich. .

Was raten Sie einem Kunstinteressenten, der sich neu am Kunstmarkt orientiert?

Eisenbeis: Für den Kunstkauf ist viel Eigeninitiative nötig. Ich erlebe es hin und wieder, dass Menschen zuhause leere Wände haben, nur weil sie nicht wissen, wo sie passende Kunst finden können, oder weil sie sich nicht für etwas entscheiden können. Vor einem Autokauf touren die Leute von Autohaus zu Autohaus, wälzen Kataloge, fragen Freunde, telefonieren mit Händlern im ganzen Bundesgebiet. Mit Kunst sollte es im Grunde genauso sein, schließlich haben wir sie in unserer alltäglichen Umgebung. Aber irgendwann muss man sich mit der Kunst auch mal auf ein Abenteuer einlassen. .

Wird es Auktionshäuser auch in 50 Jahren noch geben?

Eisenbeis: Davon bin ich überzeugt, trotz des Booms virtueller Marktplätze. Kunst ist kein Standardprodukt, jedes Werk hat seine eigene Geschichte und auch seine Macken, die man im Original erleben muss. Was nicht heißt, dass nicht auch wir das Internet nutzen, beispielsweise um auf Auktionen aufmerksam zu machen. Doch am Ende zählt die persönliche Vermittlung und Beratung und das direkte in Augenschein Nehmen eines Werks. Der Kunstmarkt tendiert zudem sehr stark zu Auktionen, weil sich der Preis hier durch das freie Spiel der Kräfte ergibt und für jeden transparent ist.

Wie gestalten Sie Ihr persönliches Netzwerk?

Eisenbeis: Meine persönliche Begeisterung für Kunst zieht mich zu anderen Kunstorten, an denen ich mit Gleichgesinnten zusammentreffen kann. So bin ich beispielsweise im Vorstand der Overstolzengesellschaft, dem Förderverein des Museums für Angewandte Kunst Köln, aktiv. Ferner unterstütze ich das Museum Ludwig. Während hier die Kultur das bindende Glied ist, kann ich beim Rotonda Business-Club auch mal ganz andere Themen wälzen. Das Thema Design interessiert mich beispielsweise auch aufgrund meiner früheren Überlegungen, Architektur zu studieren.

Was spricht für Köln als Standort für ein Kunstauktionshaus?

Eisenbeis: Der Standort für den Kunstverkauf ist letztlich nicht entscheidend. Ich kann mir jedoch keinen besseren Standort als Köln vorstellen. Hier gibt es eine hartgesottene Sammlerschaft und allgemein ein großes Interesse an Kunst. Mit den vielen Museen haben wir hier zudem ein sehr gutes Umfeld. Dazu gehört auch die Museumsbibliothek – wenn diese wegbräche, wäre das eine Katastrophe. Wir fühlen uns hier zuhause, von daher brauchen wir gar keinen weiteren Standort für den Kunstverkauf.

Interview: Hubertus von Barby

MARKUS EISENBEIS

Markus Eisenbeis ist Geschäftsführer von VAN HAM Kunstauktionen. Er trat 1995 in  die Geschäftsleitung des Unternehmens ein und entwickelte das Auktionshaus zu einer festen Größe am internationalen Kunstmarkt. Markus Eisenbeis ist Mitglied im Rotonda Business-Club seit Juni 2010.